Aktuelles Heft

Coverbild Gemeindebrief 2017-04

Download der aktuellen Ausgabe

 

Mit den Augen der Kinder

Gemeindebrief-Ausgabe 4/2017
(Dezember 2017 – Februar 2018)

„Mit den Augen der Kinder“ – oder: Neugierig bleiben!

Liebe Gemeinde,

mein zweijähriger Sohn sieht so vieles, was ich einfach übersehe: hier ein Blatt, dort einen Käfer ... „Ach, nochmal Kind sein!“, denke ich dann ganz nostalgisch, „die Welt nochmal mit den Augen der Kinder sehen!“ Nicht umsonst heißt es: „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet Ihr nicht ins Himmelreich kommen“ (Mt 18,3).
Mein Sohn sieht so vieles. Aber anderes sieht er auch noch gar nicht, z.B. wenn er mit seinem Laufrad unbekümmert auf die Straße hinausrast. Kindern fehlt eben noch der Überblick – und damit auch weiterreichende Einflussmöglichkeiten.
Wie oft habe ich als Kind davon geträumt, „endlich groß zu sein“. Wenn ich daran denke, ach, dann bin ich ganz froh, endlich erwachsen zu sein. Es hat eben alles seine Zeit. „Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war“ (1 Kor 13,11).
Die Welt „mit den Augen der Kinder sehen“ ist also ein zwiespältiges Vergnügen. Vor allem aber ist die kindliche Perspektive nur eine Perspektive von vielen – neben der eines Großvaters oder der einer Jugendlichen. Am wichtigsten erscheint mir, dass wir uns darum bemühen, all diese Perspektiven immer wieder zusammenzudenken. Ein wichtiger Ort hierfür ist für mich die Gemeinde: „ein Leib – viele Glieder“, wie Paulus sagt (1. Kor 12). Hier treffen sich ganz unterschiedliche Menschen, groß und klein, alt und jung, arm und reich – als eine Gemeinde. Eines können wir uns jedoch auf jeden Fall von den Kindern abschauen: neugierig aufeinander zu bleiben! Nur so lernen wir einander wirklich kennen und wachsen als Gemeinde zusammen. Und zum Kennenlernen gibt es ja gerade in der Advents- und Weihnachtszeit jede Menge Gelegenheiten: ob beim Glühweintrinken auf Weihnachtsfeiern und Basaren, oder bei Konzerten, Andachten und Gottesdiensten – bunt zusammengewürfelt wie die Gemeinschaft im Stall von Bethlehem. Vielleicht entdecken wir auf diese Weise auch den Grund von Weihnachten noch einmal ganz neu. Bleiben wir neugierig!

Euer Pfarrer
Fabian Ludwig